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Exkursion zu den Tesla-Flächen

Aktualisiert: 7. Sept.

Gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Isabell Hiekel (B90/Die Grünen) zeigten wir am vergangenen Freitag im Rahmen einer Exkursion auf unseren Flächen bei Beeskow, wie es um die Aufforstung steht.



Wie haben die Flächen, die als Kompensationsmaßnahmen (unter anderem) für den Bau der Tesla-Gigafactory bepflanzt wurden, den trockenen Sommer überstanden? Wie läuft eine so großflächige Aufforstung ab und welche Projekte kommen als nächstes? Diese und viele weitere Fragen konnten wir gemeinsam auf unserem Ausflug beantworten. Mit von der Partie war Isabell Hiekel (im Bild neben Axel Behmann), umweltpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Brandenburger Landtag, deren Einladung zur Exkursion einige interessierte Bürger, Partei- und NABU-Mitglieder, Mitarbeiter von Tesla und Journalisten folgten. Im Austausch mit den direkt an der Aufforstung Beteiligten – Vertreter der Behörden sowie der Flächenagentur, Wissenschaftler und unser Team von NfG – konnten interessante Einblicke in die Abläufe und Herausforderungen eines solchen Projektes gegeben werden.


200 Hektar Mischwald – mehr als 1.000.000 gepflanzte Bäume. Unsere Aufforstungen im Herbst 2020 und Winter 2021/22 waren ein echtes Mammutprojekt. Unser Geschäftsführer Axel Behmann erklärte die vielfältigen Herausforderungen eines solchen Vorhabens.


Mithilfe eines Metallstabes testet eine der Teilnehmerinnen die Beschaffenheit des Bodens aus. Denn neben den klimatischen Bedingungen, drohendem Schädlingsbefall und Wildschäden lag auch hier eine echte Herausforderung: Sedimentablagerungen in 30-40 cm Tiefe erschwerten den Pflanzen den Zugang zu Wasser und Mineralstoffen. Durch maschinelle Tiefenlockerung konnten wir verhindern, dass die betonharte Schicht das Pflanzenwachstum behindert.


Hans-Jürgen Sturies (rechts im Bild) begleitet die Aufforstung durch NfG von Beginn an als waldbaulicher Berater. Der ausgebildete Förster und jahrzehntelange Leiter der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat schon einige Aufforstungen begleitet: „Was wir pflanzen ist entweder ein Fehler für die nächsten 100 Jahre oder die richtige Entscheidung", so Sturies. In unserem Fall scheinen die richtigen Entscheidungen getroffen worden zu sein: Trotz der sehr trockenen und heißen letzten Monate – in einem Bundesland, das riesige Flächen Wald durch Brände hat einbüßen müssen – hat der überwiegende Großteil der Pflanzen zum Glück überlebt. Die Resilienz der Baumarten hat sich jedoch als sehr unterschiedlich erwiesen: Während Rotbuchen nur schwer mit den harten Bedingungen zurecht kamen, weisen Ahorn und Eiche nur geringe Ausfälle auf.


Saftig-grüne Erlen und Eichen auf einer Fläche nahe Grunow, gepflanzt im Winter 2021/22. In circa 10-15 Jahren, abhängig von den klimatischen Bedingungen, wird nicht mehr viel an eine Ackerfläche erinnern: Aus tausenden Setzlingen wird ein Wald entstanden sein.


Hans-Jürgen Sturies und Axel Behmann mit Anne Schöps (Mitte), Geschäftsführerin der Flächenagentur Brandenburg GmbH. Als Schnittstelle zwischen Investoren (z.B. Tesla) und den Erbringern der Ersatzleistungen (z.B. NfG) koordiniert die Flächenagentur die Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen, weshalb von Beginn an eine enge Zusammenarbeit besteht. Von den circa 300 Hektar Wald, die durch Tesla kompensiert werden, übernimmt NfG den Großteil des Ausgleichs.



Auf der zweiten besichtigten Fläche konnten die Teilnehmer die Überbleibsel der Kurzumtriebsplantagen (KUP) bei Grunow sehen. Diese waren noch bis zum Frühjahr 2021 mit schnellwachsenden Gehölzen wie Robinien und Pappeln bepflanzt, die normalerweise als Energieträger genutzt werden. Wir entschieden uns dazu, einige der Pappeln stehen zu lassen. Die bereits recht hochgewachsenen Bäumchen bieten den neu gepflanzten Setzlingen Schutz, so wie es in einem Wald die älteren Bäume tun würden: Sie schaffen einen „Schirm“, der vor Hitze schützt.


Hier kam man auf ein wichtiges Zukunftsthema zu sprechen: Die naturschutzrechtlichen Bestimmungen bezüglich gebietsheimischer Pflanzen. Laut diesen darf nur mit Pflanzen aufgeforstet werden, die in dem jeweiligen Naturraum heimisch sind (allein Brandenburg hat zwei Naturräume). Pflanzt man also zum Beispiel eine Erle aus einem Naturraum in Mecklenburg-Vorpommern auf unseren Flächen in Ostbrandenburg, ist das ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz. Die Beschaffung von Saatgut gestaltet sich ohnehin schon als schwierig: Durch klimatische Bedingungen oder beispielsweise Waldbrände hervorgerufene Schäden in Pflanzkulturen verringern die verfügbare Menge von Setzlingen in den Baumschulen. Oft bekamen wir nur die Hälfte oder ein Drittel der Setzlinge, die wir eigentlich gebraucht hätten. Die derzeitige Regelung – so sinnvoll sie in ökologischer Hinsicht zum Teil auch ist – erschwert die Anpflanzung zusätzlich und führte in unserem Fall zu einer haarsträubenden Situation: Tausende bereits gepflanzte Erlen mussten wieder aus der Erde herausgerissen werden, weil sie nicht dem hiesigen Naturraum entstammten. Damit auch in Zukunft erfolgreich aufgeforstet werden kann, muss sich etwas ändern. In der Diskussion in Grunow war man sich schließlich einig: Ausnahmen müssen zugelassen, Öffnungsregelungen geschaffen werden.


Wie sieht der Wald der Zukunft aus? Welche Baumarten können auch in Zukunft den veränderten klimatischen Bedingungen standhalten? Auf einer Fläche nahe Oegeln wurde den Teilnehmern unser neuestes Projekt vorgestellt: Im Rahmen des Forschungsprojekts zu „Klimabäumen“ sollen schon bald wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema klimaangepasste Laubwälder betrieben werden. Im Zentrum dessen steht die Etablierung von Baumarten, die bisher in Mitteleuropa eine untergeordnete Rolle gespielt haben oder noch gar nicht vertreten waren (Alternativbaumarten). Diese sollen durch ihre Anpassungsfähigkeit an eine trockenere, wärmere Umwelt, die sie aus ihren Herkunftsgebieten mitbringen, das heimische Artenspektrum ergänzen und bereichern. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, unsere Wälder besser vor bevorstehenden klimatischen Veränderungen zu schützen. Hierbei stand Prof. Dr. Schröder von der HNE Eberswalde, der die Aufforstung von Beginn an wissenschaftlich begleitet, für alle Fragen offen. Zusammen mit Prof. Dr. Kätzel von der HU Berlin ist er nun auch für die Konzeption des neuen Projektes verantwortlich.


Bereits in diesem Frühjahr wurde im Rahmen des Forschungsprojektes eine erste Art gepflanzt: Das Schwarznuss-Walnuss-Hybrid, heimisch in Südeuropa. Im Dezember diesen Jahres folgt die Aufforstung weiterer 15 alternativer Baumarten auf einer Fläche von drei Hektar.


(Mehr Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie hier.)



Wir pflanzen nicht nur Bäume: An mehreren Standorten in der Region um Beeskow haben wir Feldgehölze und Hecken auf einer Fläche von circa 10 Hektar angelegt, außerdem schützen wir um die 150 Hektar Grünland zwischen Merz und Ragow – Blühwiesen wie diese, die artenreiche Lebensräume bilden.


An diesem Nachmittag bietet die Blühwiese nicht nur für Hummeln und Grashüpfer Snacks bereit. Nach dem gemeinsamen Picknick endete die Exkursion.





 

Projekte wie unsere sind nur durch Teamarbeit und im ständigen Austausch der Akteure zu bewältigen. Wir freuen uns auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und bedanken uns herzlich bei den Teilnehmern der Exkursion – es war eine Freude, in einer so angenehmen Atmosphäre unsere Arbeit vorzustellen. Melden Sie sich gern bei weiteren Fragen oder Anregungen!