02/ FORSCHUNG

Klimabäume für den Wald von morgen
Unser Forschungsprojekt zu alternativen Baumarten

Die Witterungsextreme der letzten Jahre und die fortschreitenden klimatischen Veränderungen unterstreichen die große Bedeutung, die Wälder für die unsere Gesellschaft haben. Allerdings drängt sich zunehmend die Frage auf, inwieweit unsere heimischen Baumarten dem in Zukunft standhalten können. Unser Forschungsprojekt in der Nähe von Beeskow, Ostbrandenburg, könnte in den nächsten Jahren dazu wertvolle Erkenntnisse liefern: Ab Dezember 2022 forsten wir auf einer Fläche von circa 3 Hektar 14.000 Klimabäume auf. Mehr sollen in der nächsten Pflanzperiode folgen.

Unsere Ziele

Im Zentrum unseres Vorhabens steht die Etablierung von Baumarten, die bisher in Mitteleuropa eine untergeordnete Rolle gespielt haben oder noch gar nicht vertreten waren. Diese sogenannten Klimabäume sollen durch ihre Anpassungsfähigkeit an eine trockenere, wärmere Umwelt, die sie aus ihren Herkunftsgebieten mitbringen, das heimische Artenspektrum ergänzen und bereichern. Die größere Vielfalt soll zu höherer Widerstandsfähigkeit und Resilienz der entstehenden Wälder gegen die Folgen des Klimawandels in der Region und darüber hinaus beitragen. Über all dem steht das Ziel, die vielfältigen Ökosystemleistungen der Wälder nachhaltig zu sichern.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Alternativbaumarten sind ein wichtiger Baustein in einer abgestuften Rangfolge von Maßnahmen, die aktuell in der forstwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Ihr verstärkte Untersuchung soll vorhergehende Schritte – wie die Erweiterung des Herkunftsspektrums heimischer Baumarten und die Schaffung größerer Biodiversität mit bekannten Arten – ergänzen. Bisher ist das vorhandene Wissen zu Standortansprüchen von Alternativbaumarten

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Prof. Dr. Jens Schröder und Axel Behmann bei einer Begehung der Flächen in der Nähe von Oegeln.

sowie zu Fragen der waldbaulichen Steuerung in den gemischten Beständen eher lückenhaft (gerade für die Bedingungen im nordostdeutschen Raum). Daher laufen derzeit intensive Vorarbeiten zu bundesweit koordinierten Versuchsanbauten auf Flächen in ganz Deutschland. Das Vorhaben bei Oegeln kann ein wesentliches Element der beschriebenen Strategie weit über seine regionale Bedeutung hinaus werden.

 

Die forstwissenschaftliche Forschung auf den Flächen konzentriert sich dabei auf die Schwerpunkte Waldökologie, Klimawandelanpassung und Waldbau mit Alternativbaumarten. Gemäß dem Ansatz der integrativen Versuchsflächenarbeit sollen auf gleicher Fläche Informationen zu verschiedenen Teilgebieten gewonnen werden. Dazu gehören die Bereiche Standort, Vegetationsentwicklung allgemein, Wachstum, Konkurrenzverhalten und Vitalität der Baumarten, Ökologie, Physiologie und Genetik (Herkunftsvergleiche). Im Falle nichtheimischer Alternativbaumarten bedarf die Verträglichkeit mit dem gegebenen Ökosystem (Nicht-Invasivität) eines besonders tiefen Monitorings. Der parallele Anbau heimischer Baumarten (Referenzarten) soll Vergleiche der „Klimabäume“ mit dem etablierten Artenspektrum ermöglichen. Gerade hinsichtlich der schnellen und dauerhaften Bindung von CO2 ist der mögliche zusätzliche Beitrag der nichtheimischen Baumarten im Vergleich mit den Referenzarten von besonderem Interesse.

Träger der wissenschaftlichen Begleitung sind die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) in Zusammenarbeit mit dem Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE), vertreten durch Prof. Dr. Jens Schröder sowie die HU Berlin, vertreten durch Prof. Dr. Ralf Kätzel. Auch über die ersten fünf Jahre des Projektes hinaus sollen die in dieser Zeit einzurichtenden Versuchsflächen weiter betreut werden, um die langfristige Entwicklung beobachten, Behandlungsstrategien nachjustieren und Schlussfolgerungen für die Steuerung ähnlicher Bestände ableiten zu können. 

Artenspektrum

Entsprechend der angestrebten Einordnung des Projektes in bundesweite Untersuchungen werden die ausgewählten „Klimabäume“ mit anderen Prioritätenlisten, z.B. der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Forstliche Genressourcen (BLAG 2020), abgestimmt. Letztlich entscheidet auch die Verfügbarkeit von Vermehrungsgut über die Auswahl der Arten. Folgende Arten haben die Professoren zusammen mit unserem forstlichen Berater, Hans-Jürgen Sturies, ausgewählt. Von jeder dieser 16 Baumarten werden ca. 875 Stück in Blöcken á circa 3000 qm gepflanzt. (Eine vollständige Liste aller Arten, die für den Versuchsanbau geeignet gewesen wären, finden Sie hier.)

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Zur Einbringung in die „Nussfläche“ unter die Schwarznuss (Juglans Nigra)

  • Riesenlebensbaum (Thuja plicata)

  • Westamerikanische Hemlocktanne (Tsuga heterophylla)

  • Türkische Haselnuss (Corylus colurna)

  • Silberlinde (Tilia tomentosa)

Auf der Freifläche

  • Silberlinde (Tilia tomentosa)

  • Edelkastanie (Castanea sativa)

  • Zerreiche (Quercus cerrics)

  • Ungarische Eiche (Quercus frainetto)

  • Orientbuche (Fagus orientalis)

  • Elsbeere (Sorbus torminalis)

  • Orientalische Platane (Platanus orientalis

 

Als Referenzbaumarten

  • Traubeneiche (Quercus petrea) 

  • Roteiche (Quercus rubra)

  • Spitzahorn (Acer platanoides)

  • Vogelkirsche (Prunus avium)

Auf circa 2 Hektar der Fläche wurde bereits im Frühjahr eine Hybrid-Form zwischen Schwarznuss und Wallnuss gepflanzt, um später als "Schirm" jüngere Bäume vor Hitze und Trockenheit zu schützen.

Um noch mehr Wissen über alternative Baumarten sammeln zu können, wollen wir den flächenmäßigen Umfang des Forschungsprojektes deutlich vergrößern. Für weitere Aufforstungen von Klimabäumen in der nächsten Pflanzperiode (Herbst 2023) sind wir bereits mit interessierten Unternehmen und Organisationen im Gespräch. pdf

 

Treten Sie gern mit uns in Kontakt, falls auch Sie sich am Projekt beteiligen möchten – wir freuen uns auf Ihre Nachricht!